Dienstag, 21 März 2017 11:25

Neue Feuerwache 21 - Ein Ort mit römischen Wurzeln

Bereits seit 1968 rücken Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Frankfurt am Main von der Wache in der Nordweststadt aus. Bisher war die Wache direkt im Nordwestzentrum untergebracht – allerdings nur zur Miete.

Im Zuge des Staffelkonzeptes 2020 wurde für die Feuer- und Rettungswache 21 ein neuer Standort gesucht und auch gefunden – sogar in unmittelbarer Nähe zu dem bisherigen Standort. Durch die konzeptbedingte Umstrukturierung aller Wachen sowie die Umstellung von Einsatzfahrzeugen wurden auf der Feuerwache 21 viele Räumlichkeiten frei und ungenutzt.
Die Feuerwache 21 sollte aus dem Nordwestzentrum ausziehen und in den Römischen Töpferöfen ihre neue Heimat finden. Durch den Bau der neuen Wache werden erhebliche Geldmittel durch bisher anfallende Mietkosten für das Nordwestzentrum eingespart. Weiterhin bietet der neue Standort eine bessere Infrastruktur. Über eine kurze Ausfahrt ist man bei Alarmierung in wenigen Sekunden auf der Rosa-Luxemburg-Straße in Richtung Innenstadt.

Da auf dem neuen Grundstück historische Funde vermutet wurden, mussten vor der Baumaßnahme umfangreiche Untersuchungen durch das Denkmalamt durchgeführt werden und die Stadtverordnetenversammlung stimmte daher am 10. Oktober 2013 den erforderlichen Baumfällungen zu, welche am 24. Oktober auf dem Grundstück Römische Töpferöfen anfingen. Neben der Rodung des Geländes waren im Anschluss umfangreiche Ausgrabungsarbeiten notwendig, um historische Schätze aus der Römerzeit freizulegen und zu sichern.
Bei den Untersuchungen durch das Denkmalamt wurden tatsächlich Überreste eines Turms der Stadtbefestigung der römischen Stadt Nida aus dem 3. Jahrhundert gefunden. Ferner wurde bei den Ausgrabungen ein 1,25 Meter langes, 78 Zentimeter breites und 300 Kilogramm schweres Kellerfenster, das aus einem einzigen monolithischen Basaltblock geschlagen wurde und mit seiner Öffnung für Licht und die Durchlüftung eines Kellers sorgte, gefunden. Der Keller selbst hatte wohl eine Grundfläche von etwa 16 Quadratmetern. Nach Aussage von Frau Dr. Hampel, Leiterin des Denkmalamtes, sei allein die Größe und die Ausarbeitung des Fensters wohl einmalig.
Ein vom Typ vergleichbares, jedoch wesentlich kleineres Fenster wurde zuletzt 1928 gefunden. Besonders bemerkenswert sei die Form der Öffnung, die an eine Konkavlinse oder Sanduhr erinnere und in ihrer Funktion noch wenig erforscht sei. Frau Dr. Hampel sagte ebenfalls, dass alleine die Ausmaße des Kellers und die Art der Bearbeitung des Fensters darauf schließen lassen, dass hier ein repräsentativer Bau stand, für den das Fenster auch eine dekorative Wirkung hatte.
Die damalige römische Provinzhauptstadt Nida liegt in den heutigen Gemarkungen Heddernheim und Praunheim. Nida war ab 85 n. Chr. der Verwaltungssitz der Civitas Taunensium innerhalb der Provinz Germania Superior (Obergermanien). Im 3. Jahrhundert wurde das römische Stadtgebiet durch eine Befestigungsmauer mit Toren gesichert, die eine Reaktion auf die alemannischen Übergriffe darstellten, welche schließlich auch zur Räumung der rechtsrheinischen Gebiete und zum Rückzug auf den Rhein als Reichsgrenze führten. Die Ausgrabungsfläche umfasste das sogenannte Nordtor, das bereits 1881 nachgewiesen wurde, sowie die Fläche nördlich davon. Es handelte sich dabei um mehrgeschossiges Stadttor mit viereckigen Türmen mit einer Durchfahrt. Die seitlichen Türme waren bei einer Mauerstärke von rund zwei Metern und ein Kantenlänge von acht Metern mindestens sechs Meter hoch. Innen gewährte ein großzügiger Druchlass auch Wagen die Einfahrt in die Stadt. An beiden Seiten des Tores schloss sich die Stadtmauer an.
Die bisherigen Kenntnisse zur römischen Stadtstruktur an dieser Stelle waren eingeschränkt, ließen sich aber dann durch die laufenden Untersuchungen und Funde deutlich erweitern. Durch die Ausgrabung hier wurde deutlich, welche Schätze Frankfurt noch birgt und dass ein intensives Baugeschehen durchaus mit dem Denkmalschutz vereinbar ist. Für den Neubau der Wache wurden durch die Funde keine Umplanung notwendig.
Die denkmalrechtliche Voruntersuchung wurde im 2. Quartal 2015 abgeschlossen.

Im Dezember 2014 erfolgte von der Bauaufsicht Frankfurt die Baugenehmigung für die neue Feuer- und Rettungswache 21. Die neue Wache ist auf einem etwa 4167 Quadratmeter großen Areal entstanden.

Auf der neuen Feuer- und Rettungswache 21 mit rund 1430 Quadratmeter Nettonutzfläche versehen 70 Kolleginnen und Kollegen von Feuerwehr und Rettungsdienst an 365 Tagen ihren Dienst. Insgesamt sind fünf Stellplätze für Feuerwehrfahrzeuge und drei für Rettungswagen entstanden. Die Rettungswagen der Wache 21 werden von Feuerwehr sowie dem Deutschen Roten Kreuz besetzt. Weiterhin ist auf der Wache 21 die neue Wäscherei für die Feuerschutzkleidung der Einsatzkräfte und eine moderne Fahrtragenwerkstatt, in der die Tragen der Rettungswagen instandgesetzt werden, entstanden.

Weil die Feuerwache 21 rund um die Uhr besetzt ist, wurden für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sechs Ruheräume mit jeweils zwei Betten eingerichtet, getrennt nach Geschlechtern. Weiterhin sind Schulungs- und Aufenthaltsräume mit angeschlossener Küche entstanden. Auch wurde ein Sportraum mit Rad- und Ruder-Ergometern sowie Geräten für Krafttraining eingerichtet, um sich fit zu halten.

Die Bauarbeiten verliefen nach Zeitplan und so erfolgte nach rund einjähriger Bauzeit am 24. Januar 2017 die technische Inbetriebnahme der Wache. Die Kosten für den Neubau betrugen rund 10,4 Millionen Euro.

Die Wache verfügt über Fernwärmeversorgung sowie eine Netzersatzanlage. Hiermit kann die Wache auch bei einem Stromausfall autark betrieben werden. Anfallendes Oberflächen-wasser wird in einer Versickerungsrigole aufgefangen.

Die Wache 21 ist zuständig für die Bereiche Niederursel, Eschersheim, Heddernheim, Praunheim. Ferner zum Teil Hausen, Ginnheim, Riedberg sowie die BAB 661, BAB 66 und BAB 5.

Fotos: Salome Roessler

Medien

Aktuelle Seite: Home Neue Feuerwache 21 - Ein Ort mit römischen Wurzeln