Donnerstag, 20 Februar 2020 10:44

Stadtweite Kampagne: ‚Frankfurt zeigt RESPEKT. Für alle HELFENDEN. Jeden Tag‘

Die drei Motive der neuen Kampagne Die drei Motive der neuen Kampagne Präventionsrat der Stadt Frankfurt a.M.

Sicherheitsdezernent Markus Frank, Polizeipräsident Gerhard Bereswill, Direktor der Branddirektion Karl-Heinz Frank, Vertreter der Frankfurter Hilfsorganisationen, der Stadtpolizei und des Präventionsrats haben die neue Respektskampagne vorgestellt.

Drei auffällig gestaltete Plakatmotive, auf denen abstrahiert jeweils eine Einsatzkraft der Polizei, der Feuerwehr und der Rettungsdienste zu sehen sind, bilden die neue Kampagne. Außerdem werden ab sofort Aufkleber mit der Aufschrift „Respekt ist keine Einbahnstraße“ auf Dienstfahrzeugen der Organisationen zu sehen sein.

Grund für die gemeinsame Aktion: Die Zahl der Einsätze, bei denen die Einsatzkräfte von Betroffenen und Passanten behindert und beschimpft werden oder anders Respektlosigkeiten erleben, nehmen zu. Belastbare Zahlen darüber gibt es nur wenige. Viele der Vorkommnisse treten angesichts der Einsatzsituation in den Hintergrund, werden nicht angezeigt werden und finden dadurch keinen Eingang in die Statistiken. Dennoch ist der Trend zu mehr Respektlosigkeit zu erkennen. Häufig sind die, die sich gegenüber den Einsatzkräften respektlos und aggressiv zeigen oder Einsätze sogar behindern, aus verschiedenen Gründen nicht mit den Maßnahmen der Einsatzkräfte einverstanden. Oft spielen Alkoholeinfluss oder die emotionale Ausnahmesituation, in der sie sich befinden, eine Rolle. Dabei verkennen die Störer, dass im Notfall kein Aufschub geduldet werden kann um Leben zu retten und Gesundheit zu erhalten.

Die neuen Plakate werden in den nächsten Wochen im Stadtbild zu sehen sein. Die Ströer Deutsche Städte Medien GmbH hat dafür zum Selbstkostenpreis Werbeflächen auf Litfaßsäulen, auf City-Light-Boards und in den Straßenbahnen zur Verfügung gestellt. Kreiert wurden die Motive von der Werbeagentur OPAK.

Polizeipräsident Gerhard Bereswill erläuterte bei der Vorstellung der Kampagne, dass es in den letzten Jahren immer öfter vorkomme, dass sich Personen gegenüber Polizisten oder Rettungskräften respektlos verhalten, diese beleidigen, beschimpfen, bei ihrer Arbeit behindern oder sogar angreifen. Neueste Studien belegten, dass über 90 Prozent aller Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten Hessens in der Ausübung des Dienstes verbal beleidigt wurden. Über 10 Prozent seien sogar Opfer von versuchten Tötungsdelikten geworden. „Die Respektkampagne des Präventionsrates ist ein unglaublich wichtiger Baustein, unserer Stadtgesellschaft einen Anstoß zu geben, sich der unbedingten Notwendigkeit eines funktionierenden Helfer-Systems bewusst zu werden und wahrhaft 'pfleglich' mit seinen Helfenden umzugehen.“ sagte er.

Die Frankfurter Feuerwehr hält die Kampagne „Frankfurt zeigt Respekt“ ebenfalls für gut und wichtig. Auch in ihren Reihen gehört mittlerweile die Konfrontation mit Gewalt oder Respektlosigkeit zu oft zum Alltag. Das fängt vermeintlich banal an mit Beleidigungen am Telefon in der Zentralen Leitstelle, wo die Notrufe eingehen und endet auch hier mit verbalen und tätlichen Übergriffen gegen Mitarbeiter im Einsatz. Seit 2018 wird „Gewalt im Einsatz“ gesondert dokumentiert. Im Laufe des vergangenen Jahres zählte die Berufsfeuerwehr knapp 60 kritische Vorfälle.

Was der Feuerwehr aber auch zu schaffen macht – und mithin gravierende Konsequenzen hat – ist mangelnder Respekt im Straßenverkehr. Einsatzfahrzeuge werden nicht zügig durchgelassen, Feuerwehrzufahrten oder Straßenecken sind zugeparkt. „Manche scheinen sich nicht bewusst zu machen, welchen Auftrag wir eigentlich haben“, stellt der Direktor der Branddirektion Karl-Heinz Frank fest. „Diesen Mitbürgern ist offenbar nicht klar, dass ihr Verhalten dazu führen kann, dass wir entscheidende Minuten verlieren und es auch mal Menschen treffen könnte, die einem selbst sehr nahestehen.“

Die Feuerwehr hat jenseits der Erfassung von Übergriffen folgende Konsequenzen für sich gezogen: Der eigens geschaffene Arbeitskreis Bedrohungsmanagement berät Mitarbeiter nach belastenden Vorfällen und weist - wenn nötig - auf externe, weiterführende Angebote hin. Einsatzkräfte können sich aber auch an entsprechend geschulte, so genannte Kollegiale Ansprechpartnerauf jeder der zwölf Feuer- und Rettungswachen im Stadtgebiet wenden. Andererseits werden auch Techniken der Deeskalation sukzessive in Aus- und Fortbildungskonzepte eingebaut. „Deeskalieren heißt unter Umständen auch, dass wir unser Verhalten vor Ort manchmal mehr erklären müssen. Verständnis erleichtert in der Regel Respekt“, erklärt Frank.

Verbale Angriffe auf Rettungskräfte häufen sich auch in der Wahrnehmung der Hilfsorganistionen. Die Mitarbeitenden werden dafür bereits seit einigen Jahren entsprechend geschult in sogenannten Deeskalationsmaßnahmen. Trotzdem sehen sie sich immer wieder in der Situation, dass ihnen und ihrer Arbeit wenig Respekt entgegengebracht wird. Sie werden von nicht am Einsatz beteiligten Personen verbal angegangen, was sie häufig zunächst daran hindert, ihre Arbeit auszuüben und im ZWeifelsfall dazu führt, dass sie den Hilfe benötigenden Menschen nicht sofort versorgen können. Der abnehmende Respekt, mit dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rettungsdienst täglich auseinandersetzen müssen, ist besorgniserregend. „Es ist wichtig, dass wir alle zusammen darauf aufmerksam machen, dass die Menschen im Einsatz – ob bei der Polizei, bei der Feuerwehr oder im Rettungsdienst – mehr Respekt für ihre Arbeit verdient haben. Darum unterstützen die Frankfurter Hilfsorganisationen diese Plakataktion“, sagt Achim Vandreike, Vorsitzender des DRK Bezirksverbandes Frankfurt am Main e.V., für die Frankfurter Hilfsorganisationen.

Hintergrund:

Eine vom Frankfurter Präventionsrat initiierte Onlineumfrage ergab, dass 98,7% der rd. 730 Befragten Respekt für unverzichtbar halten.

Der Präventionsrat startete 2019 deshalb bereits eine Plakataktion, um dem Verlust von Respekt im alltäglichen Miteinander entgegenzutreten und für mehr Respekt zu werben. Auf acht verschiedenen Plakatmotiven sind in flächigen Farben gemalt typenhafte Frauen und Männer zu sehen, die stellvertretend häufige Vorurteile, wie z.B. unterschiedliches Aussehen, Alter, Herkunft, Beeinträchtigung, Religion oder sexuelle Orientierung thematisieren. Durch provokative Fragen, wie beispielsweise „Ganz egal welche Farbe Deine Haut hat: Welche Farbe hat Dein Herz?“ sollen die Betrachter zum Nachdenken angeregt werden.

Die Plakataktion hat einen sehr hohen Wiedererkennungswert und war im letzten Jahr an vielen Stellen in Frankfurt zu sehen. Stadtrat Frank versicherte: „Wir werben auch weiterhin für mehr Respekt und lassen nicht nach. Unsere Wanderausstellung war schon bei vielen Institutionen zu Gast, so z.B. beim Ordnungsamt, dem Polizeipräsidium, dem Kassen- und Steueramt sowie dem Jobcenter Süd. Und sie geht weiter auf Reisen und kann von allen Ämtern oder auch von Firmen gebucht werden!“

Die neuen Plakate „Frankfurt zeigt Respekt. Für alle Helfenden. Jeden Tag“ (3 Motive) sowie die Plakate „Frankfurt zeigt Respekt. Für jeden Menschen. Jeden Tag“ (8 Motive) und die Wanderausstellung dazu können von der Geschäftsstelle des Präventionsrats von städtischen Ämtern, Frankfurter Betrieben oder Firmen bezogen werden.

Kontakt: Geschäftsstelle des Präventionsrats, Tel. 069 / 212 -35443,

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Link zur Kampagne: www.gewalt-sehen-helfen.de/de/kampagne-respekt-frankfurt-zeigt-respekt-fuer-jeden-menschen-jeden-tag_8095.html

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