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Gemeinsame Übung von Feuerwehr, Gesundheitsamt und Klinikum Höchst

Gut vorbereitet sein ist alles: Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main, Branddirektion, Hilfsorganisationen, varisano Klinikum Frankfurt Höchst und Werkfeuerwehr Infraserv Höchst trainierten gemeinsam einen Massenanfall von Verletzten 

Viel Blaulicht am Samstag, 9. September,  in Frankfurt Höchst. Grund war eine gemeinsame Notfallübung für ein s.g. Großschadensereignis mit einem Massenanfall von Verletzten, kurz: MANV. Das Gesundheitsamt der Stadt Frankfurt am Main, die  Feuerwehr der Stadt, die Frankfurter Hilfsorganisationen, das varisano Klinikum Frankfurt Höchst und die Werkfeuerwehr des Industrieparks Höchst trainierten gemeinsam einen Massenanfall von Verletzten (kurz: MANV) – und zwar über die gesamte Rettungskette hinweg. Hauptziel war die Überprüfung und gleichzeitige Übung der Schnittstellen aller beteiligten Organisationen. 

„Eine Großstadt wie Frankfurt am Main muss auf verschiedene Gefahrenlagen - wie Unfälle mit vielen Verletzten, Schadensereignisse mit einer Freisetzung toxischer Stoffe, politisch motivierte Anschläge, biologische wie pandemische Ereignissen - vorbereitet sein“, unterstreicht Dr. med. Peter Tinnemann, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Frankfurt am Main. „Das Üben des Zusammenspiels aller Akteure in der Rettungskette ist daher ein wichtiger Beitrag für die Bevölkerungsmedizin. Zur Sicherstellung der ambulanten und stationären Versorgung kommt den Krankenhäusern eine besondere Bedeutung zu. Sie sind verpflichtet, Krankenhauseinsatzpläne zu erstellen.“ Durch praktische Übungen werden Funktion und Effektivität von organisatorischen Maßnahmen, materiellen Vorhaltungen und der Ausbildungsstandard des Personals unter realistischen Grundbedingungen überprüft. Durch regelmäßige Übungen sollen das Personal, die Krankenhausorganisation sowie die zuständigen Gefahrenabwehrbehörden wie Gesundheitsamt und Branddirektion planerisch auf die bedarfsnotwendige Vorhaltung und operativ auf außergewöhnliche Gefahrenlagen und Ereignisse vorbereitet werden. Hierbei kommt einer regelmäßigen Schulung und Unterweisung des ärztlichen und nichtärztlichen Personals eine besondere Bedeutung zu. Deshalb sei die Durchführung von flächendeckenden Krankenhaus-Übungen dringend geboten, lautet die Botschaft der Abteilung „Medizinische Gefahrenabwehr“ unter Leitung von Marion Verg.

Verpuffung als Ausgangslage der Übung

Ausgangslage der Übung war eine Verpuffung an einem Lagerbehälter auf dem Industriepark-Gelände, ausgelöst durch Schweißarbeiten. Das Szenario sah vor, dass eine Rohrleitung mit Chemikalien beschädigt wurde und Mitarbeiter mit der Chemikalie in Kontakt kamen. Die Erstversorgung der Verletzten und der geordnete Transport in eine Klinik war Aufgabe der Feuerwehr Frankfurt, der Werkfeuerwehr des Industrieparks sowie der beteiligten Hilfsorganisationen. Hier lag der Schwerpunkt in der Zusammenarbeit der Werkfeuerwehr mit der Feuerwehr und dem Rettungsdienst Frankfurt. Weiterhin lag der Fokus auf der Sichtung und Grobdekontamination der Verletzten sowie der Organisation und dem Aufbau eines Rettungsmittelkreisverkehrs zum Transport der Patienten in die Klinik.

„Gerade bei einer hohen Zahl an Verletzten, die es gleichzeitig zu versorgen gilt, muss die Rettungs- und klinikinterne Versorgungskette stimmen und vor allem gut koordiniert sein. Das Personal steht vor der Herausforderung, in kürzester Zeit von Regelversorgung auf eine besondere Lage umzuschalten. Im Mittelpunkt dieser Übung stand für das Klinikum, den Notfallplan für den erst kürzlich bezogenen Neubau auf „Herz und Nieren“ zu prüfen, sich aber gleichzeitig auch auf neue Verletzungsmuster wie die in der Praxis zum Glück sehr seltenen chemischen Verletzungen und Versorgungsstrategien vorzubereiten“, erklärt Dr. med. Patrick Frey, Geschäftsführer der varisano Kliniken. So wurde eigens für die Übung in der Notfallvorfahrt des Klinikneubaus eine spezielle Dekontaminationseinheit mit verschiedenen Zonen aufgebaut, das zur äußerlichen Dekontamination der verletzten Patienten benötigt wurde. Das Einsatzpersonal am Zelt musste dafür einen speziellen Chemikalienschutzanzug anlegen. Das Szenario entwickelte eine fachübergreifende Arbeitsgruppe aller Beteiligten. „Wir wollten mit der Übung möglichst nah an der Realität eines echten Einsatzes bleiben, allerdings ohne die Anwohner, die Mitarbeiter und die Patienten zu verängstigen“, so Dr. med. Walter Philippi, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie am varisano Klinikum Frankfurt Höchst stellvertretend für die Arbeitsgruppe.

Das varisano Klinikum Frankfurt Höchst hatte innerhalb kürzester Zeit 24 Patienten mit den unterschiedlichen Verletzungsgraden zu versorgen waren. Der erste Übungs-Patient traf kurz vor 11 Uhr im Klinikum ein, der letzte 12.35 Uhr. Von der Übernahme der Patienten vom Rettungsdienst, der Dekontamination über die Eingangsuntersuchungen durch Traumatologen und Anästhesisten, die Diagnostik bis hin zur Verlegung in den OP oder auf die Intensivstation wurden die Abläufe geübt. Zusätzliches Personal zu ordern oder Verlegungen in andere Krankenhäuser zu organisieren, Medikamente und Verbandmaterial nach zu bestellen, Verpflegung zu sichern und Notdienstpläne zu erstellen, sind Aufgaben, die in dieser Situation von der gleichzeitig übenden Krankenhauseinsatzleitung zu organisieren waren. Insgesamt waren rund 250 Klinikmitarbeiter im Übungs-Einsatz.

Das Fazit der Beteiligten fiel eindeutig positiv aus. Die Versorgung der Verletzten lief strukturiert ab: die Übernahme der Patienten vom Rettungsdienst, die anschließende Dekontamination in der Liegendanfahrt, die Erhebung der Schwere der Verletzung (Triage), die Erstversorgung im Schockraum und weitere Diagnostik bis hin zur anschließenden Verteilung auf die jeweiligen Bereiche mit Verlegung auf Intensivstation oder in den OP haben reibungslos funktioniert. Erkenntnisse aus der Übung werden in den Krankenhaus-Notfallplan einfließen.

Als überaus hilfreich erwies sich dabei erneut das in Frankfurt am Main entwickelte IVENA-System. Der webbasierte Interdisziplinäre Versorgungsnachweis IVENA eHealth ist eine Anwendung, mit der sich die Träger der präklinischen und klinischen Patientenversorgung jederzeit in Echtzeit über die aktuelle Behandlungs- und Versorgungsmöglichkeiten der Krankenhäuser informieren können. 

Die Anwendung ermöglicht eine überregionale Zusammenarbeit und bietet eine umfassende und detaillierte Ressourcenübersicht. Sie erlaubt einen schnellen Austausch zwischen den Krankenhäusern, den Zentralen Leitstellen für den Rettungsdienst, den Gesundheitsbehörden und anderen medizinischen Diensten, wie dem Ärztlichen Notdienst, der Kassenärztlichen Vereinigung oder niedergelassenen Ärzten.


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